LET IT BEE Winter 2025

Im Herbst/Winter verändern sich die Blühflächen deutlich. Aus saftigem Grün, leuchtendem Kornblumenblau oder bunten Blüten sind braune, scheinbar ungepflegte Flächen geworden. Viele Spaziergänger gehen achtlos an ihnen vorbei. Doch was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ist ökologisch besonders wertvoll. 

Denn Blühflächen arbeiten auch dann weiter, wenn sie nicht mehr blühen. Samenstände von Malven, Flockenblumen oder Buchweizen dienen Vögeln über Monate hinweg als Nahrungsquelle. Hohle Stängel und stehen gelassene Pflanzenreste bieten Insekten sichere Überwinterungsquartiere. Gleichzeitig stabilisieren Wurzelsysteme den Boden und schützen ihn vor Erosion. Blühflächen sind keine Sommerkulisse – sie sind ganzjährige Lebensräume.
Ob diese Wirkung entsteht, entscheidet sich jedoch schon mit dem Saatgut. Weniger als 30 Prozent der Blühflächen in Deutschland bestehen aus heimischen Wildpflanzen. Viele Flächen werden mit einjährigen Kulturarten oder schnell wachsenden Mischungen angelegt, die kurzfristig Farbe bringen, sich aber nicht dauerhaft etablieren. Dabei ist Saatgut weit mehr als eine einfache Artenliste: In ihm steckt die ökologische Funktion der Fläche für die kommenden Jahre.

In unseren mehrjährigen Blühmischungen setzen wir bewusst auf eine ausgewogene Kombination aus Kultur- und Wildarten. Kulturpflanzen wie Buchweizen, Fenchel oder Koriander sorgen im Ansaatjahr für schnelle Bodenbedeckung, frühe Blüten und erste Nahrungsangebote. Die Wildarten übernehmen die langfristige Aufgabe. Sie sind an regionale Bedingungen angepasst, entwickeln tiefreichende Wurzelsysteme und tragen über mehrere Jahre hinweg zur Stabilität und Wiederkehr der Fläche bei.

Viele dieser Wildpflanzen benötigen Zeit. Zweijährige und mehrjährige Arten wie Wilde Möhre, Königskerze oder verschiedene Malven sind im ersten Jahr oft nur als Blattrosetten oder kräftige Stängel sichtbar. In dieser Phase investieren sie ihre Energie in den Wurzelaufbau und die Standfestigkeit. Was unscheinbar wirkt, legt die Grundlage für eine ausgeprägte Blüte im Folgejahr. Geduld ist hier kein Nachteil, sondern Teil des Konzepts.

Wilde Möhre
Königskerze

Hinzu kommt die Vielfalt an Überlebensstrategien. Einige Arten keimen bewusst zeitversetzt oder benötigen Kälteperioden, um ihre Keimruhe zu überwinden – etwa einjährige Arten wie Kornrade oder Kornblume. Andere reagieren sensibel auf Lichtverhältnisse oder Bodenbewegungen. Die Nachtkerze öffnet ihre Blüten gezielt in den Abendstunden und richtet Duft und Nektar an Nachtfalter, die in der heutigen Kulturlandschaft nur noch wenige Nahrungsquellen finden. Auch nach der Blüte bleiben ihre stabilen Stängel als Struktur und Rückzugsraum erhalten.

Manche Pflanzen beeinflussen ihre Umgebung aktiv. Buchweizen oder Ringelblume können durch sogenannte allelopathische Effekte das Auflaufen unerwünschter Beikräuter hemmen. Gleichzeitig sorgen sie für eine schnelle Bodenbedeckung, verbessern das Mikroklima an der Oberfläche und reduzieren die Austrocknung des Bodens.
Andere Arten wie Salbei, Oregano oder Rainfarn enthalten ätherische Öle. Diese wirken auf Insekten anziehend oder abschreckend und beeinflussen zugleich das mikrobielle Leben im Boden. Auf diese Weise tragen sie indirekt zur Gesundheit und Stabilität des gesamten Pflanzenbestands bei.

Auch im Winter bleibt die ökologische Leistung der Blühflächen erhalten. Samenstände von Malven, Flockenblumen oder Buchweizen sichern die Nahrung für Vögel, während die Winterkälte gezielt die Keimung von Arten wie Kornrade oder Kornblume vorbereitet. Was für das menschliche Auge ruhig oder ungeordnet wirkt, ist in Wahrheit ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Schutz, Versorgung und Vorbereitung auf das nächste Frühjahr.

Konrade
Flockenblume

Blühflächen wirken – auch dann, wenn man sie kaum beachtet.
Mit unseren Blühflächen aus heimischen Wild- und Kulturpflanzen leisten wir ganzjährig einen wichtigen Beitrag für unser Ökosystem. Wir freuen uns auch 2026 diese wichtige Arbeit mit euch weiterzuführen.

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